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13.09.2019

Forschung für Lebensmittel von Morgen

Besuch im EZD in Selb

Das Europäische Zentrum für Dispersionstechnologien (EZD) in Selb will die fachlichen Kompetenzen am Standort weiter ausbauen. MdL Martin Schöffel, der einer der Initiatoren der Idee zur Entstehung dieser Forschungseinrichtung ist, besucht gemeinsam mit dem Landratskandidaten Peter Berek aus Bad Alexandersbad und einer Delegation der CSU Selb das EZD, informiert sich über laufende Projekte und macht sich ein Bild von der aktuellen Lage.

Das EZD beschäftigt sich mit der Herstellung und Charakterisierung von Dispersionen und hat seit der Inbetriebnahme im Jahr 2014 eine rasante Entwicklung hingelegt. Aktuell sollen die fachlichen Kompetenzen am Standort weiter ausgebaut werden, wofür sich MdL Martin Schöffel sehr eingesetzt hat. Dies nahm er gemeinsam mit einer Delegation der CSU zum Anlass, sich vor Ort über die aktuelle Entwicklung zu informieren.

Herr Dr.-Ing. Felipe Wolff-Fabris, Leiter des EZD, erläuterte seinen Gästen aus der Politik einige aktuell laufende Projekte sowie die Planungen zum Kompetenzausbau. In diesem Jahr steht dem EZD aus Mitteln des Bayerischen Staatshaushaltes ein Betrag von 400.000 EUR zum Ausbau der weiteren fachlichen Kompetenzen am Standort zur Verfügung. Martin Schöffel: „Ich habe mich im Rahmen der Haushaltsverhandlungen für eine Anfinanzierung der Maßnahmen am Standort Selb eingesetzt und konnte mit Hilfe der Regierungsfraktionen von CSU und Freien Wählern einen ersten Teilbetrag in Höhe von 400 TEUR in den Haushalt einbringen. Bei den nächsten Haushaltsverhandlungen im Freistaat Bayern geht es darum, die Finanzierung des neuen Gebäudes am Standort finanziell abzusichern“.

Das EZD ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung und bearbeitet Projekte in den Bereichen von technischen Produkten, wie Tinten oder Klebstoffe, bis hin zu Lebensmitteln. Ein aktuelles Projekt, welches auf großes Interesse stößt, beschäftigt sich mit der Entwicklung von backfähigen Mehlen, die mit  verarbeiteten Insekten angereichert werden. Das Projekt ist im April 2019 gestartet und hat eine Laufzeit von 3 Jahren. An dem Projekt sind insgesamt 4 Partner beteiligt.

Hintergrund des Projektes ist, dass sich die Nachfrage an tierischen Proteinen bis 2050 verdoppeln wird und dies mit herkömmlicher Landwirtschaft nicht mehr abgedeckt werden kann. Aus diesem Grund müssen neue nachhaltige Proteinquellen identifiziert werden und somit werden Insekten zur Erschließung neuer Rohstoffe genutzt. Da Brot die Hauptenergiequelle eines Erwachsenen in Deutschland darstellt, würde eine Anreicherung des Brotes durch verarbeitete Insekten die Lücke des Proteindefizits wieder schließen können. Um die Insekten als Proteinquellen zu verwenden, müssen diese entsprechend verarbeitet werden. Dabei soll es keine großen Abweichungen im Geschmack und den Backeigenschaften geben und weiterhin muss der Verbraucher darüber aufgeklärt werden. Hauptaufgabe der Projektteilnehmer ist es, backfähige Mehle zu entwickeln, die mit Insektenpulver angereichert werden und diese anschließend für die Herstellung von Backwaren zu verwenden.

Die Aufgabe des EZD innerhalb des Projektes ist die Trockenzerkleinerung, welche in Kooperation mit der Netzsch Feinmahltechnik GmbH stattfindet. Zudem finden auch die Charakterisierung sowie die Übertragung der Laborversuche auf größere Mengen für die Backversuche am EZD statt.

Das beschriebene Projekt ist ein gutes Beispiel für die vielfältigen Anwendungsbereiche von Dispersionen sowie die Möglichkeiten der Forschungsaktivitäten am EZD. Neben den aktuellen Projekten erläuterte Herr Wolff-Fabris auch die derzeitigen Planungen zum Kompetenzausbau im Bereich Beschichtungsmaterialien.

„Als Forschungseinrichtung haben wir die Aufgabe, Lösungen zu den Herausforderungen unserer Gesellschaft zu liefern. Durch das weltweite Bevölkerungswachstum steht die Lebensmittelversorgung unter starkem Druck. Mit dem Projekt zum Einsatz alternativer tierischer Quellen suchen wir nach möglichen Ansätzen, dieses Problem zu bekämpfen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns intensiv mit der Entwicklung von neuen Materialien für erneuerbare Energien, um diese umweltfreundlichen Technologien voranzutreiben. Dabei spielen die Beschichtungsmaterialien eine sehr wichtige Rolle, welche bei der Kompetenzerweiterung des EZD im Fokus stehen.“, so Wolff-Fabris.

Matthias Müller, Ortsvorsitzender der CSU Selb stellte dazu fest: „Das EZD arbeitet eng mit unseren regionalen Unternehmen, aber auch vielen europäischen Kunden zusammen und ist damit ein sehr wichtiger Standortfaktor für Selb. Die Erweiterung halte ich für absolut sinnvoll.“ Und Landratskandidat Peter Berek meinte abschließend: „Das EZD ist ein sehr gutes Beispiel, wie ein Freiraum durch Macher genutzt wird. Wir konnten bei unserem Besuch förmlich spüren, welche Innovationskraft von dieser Einrichtung ausgeht. Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig der Schulterschluss von Wirtschaft und Politik für Selb und unseren Landkreis ist.“