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06.06.2019

Kinderbetreuungseinrichtungen im Landkreis Wunsiedel nachhaltig unterstützen

Kita-Gespräch verdeutlicht Herausforderungen der KiTas im Landkreis Wunsiedel und führt zu gemeinsamen Lösungsansätzen

Der Beruf des/r Erzieher/in müsste begehrt sein. Die Bezahlung ist nach Auskunft der Mitarbeiter gut, die Arbeit mit den Kindern erfülllend, die Entfaltungsmöglichkeiten vielfältig und neue Mitarbeiter werden händeringend gesucht. Dennoch plagen die Branche Nachwuchssorgen: Zu wenig Mitarbeiter, zu wenig Anerkennung, zu viel Bürokratie und zu wenig Zeit für individuelle Arbeit mit den Kindern. Diese vier Punkte konnten beim Kitagespräch in Wunsiedel ausgemacht werden. Rund 30 Erzieherinnen und Einrichtungsleiterinnen haben sich mit Kita-Trägern und Vertretern der Kommunen und des Landratsamtes Wunsiedel auf Einladung von Landtagsabgeordneten Martin Schöffel an einen Tisch gesetzt.



„Der Freistaat hat im Rahmen des Koalitionsvertrages 2018 unter anderem eingeführt, dass sich der Elternbeitrag für den Kindergarten ab sofort um 100 Euro pro Monat verringern wird. Dies ist eine Enorme finanzielle Leistung für Familien“ so Martin Schöffel. Die Erzieherinnen und auch die Träger beim Gespräch in Wunsiedel haben sehr bedauert, dass der Betrag nicht statt zu den Eltern, lieber in die Qualität der Einrichtungen fließt. Die Einrichtungen belastet, dass aufgrund der knappen finanziellen Ausstattung zu wenig Spielraum für mehr Personal herrscht. So werden Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen nicht oder zu wenig für Verwaltungsaufgaben freigestellt. Auch die Einarbeitung von Praktikanten oder die Betreuung von Auszubildenden wird nicht durch Freistellungen ausgeglichen.

 

„Die Erzieherinnen sind in einem Motivationstief“, erklärte Ulrike Hentschel, die Fachberaterin unter anderem des Dekanats Wunsiedel. Man hatte darauf gehofft, dass durch das Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz eine Entlastung für die Kindertageseinrichtungen eingeführt werde. Sie betonte auch, dass viele Eltern durchaus gewillt sind für gute Betreuung Geld zu bezahlen. Für Familien, die sich den Kindergartenbeitrag aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten konnte, sind schon in der Vergangenheit die Beiträge vom Landkreis übernommen worden, sagte Sandra Wurzel, Leiterin des Jugendamtes im Landratsamt.

 

Die Besonderheit im Landkreis Wunsiedel ist, dass in den meisten Einrichtungen die Elternbeträge bisher teilweise deutlich unter dem möglichen Zuschuss von 100 Euro liegen. Am Runden Tisch kam man überein, dass man nun die Elternbeiträge anheben sollte. „Wenn eine Familie bisher 85 Euro für den Kindergartenplatz bezahlt und der Kindergarten jetzt die Gebühren um 40 Euro anhebt, dann haben alle etwas davon: Die Kosten für die Eltern liegen dann mit 25 Euro deutlich niedriger als bisher und der Kindergarten hat dennoch mehr Spielraum,“ fasste Dekan Peter Bauer zusammen.

 

Martin Schöffel will diese Vorgehensweise unterstützen. „In vielen Einrichtungen sind die Gebühren seit mehr als 10 Jahren nicht erhöht worden. In dieser Zeit haben aber Tarif- und weitere Kostensteigerungen stattgefunden. Durch die Entlastung der Eltern bei den Beiträgen müssen nun diese Tarifsteigerungen nachgeholt werden. Alle müssen ein Interesse daran haben, dass die Einrichtungen gut arbeiten können und trotz neuer Herausforderungen finanziell stabil bleiben.“

 

Dekan Bauer betonte zudem, dass viele kirchlich-diakonische Kindergärten in der Region nur dank kirchengemeindlicher und landeskirchlicher Engagement überhaupt noch bestehen würden. Es sei den Trägern zu verdanken, dass den Kommunen damit Kosten erspart bleiben.

 

Eine weitere mögliche Lösung zeigte Bürgermeister Peter Berek auf. In der Gemeinde Bad Alexandersbad klappt die Finanzierung des Kindergartens seinen Ausführungen zufolge recht gut. Grund sei, dass die Gemeinde selbst die Betriebsverantwortung trage und deshalb voll hinter dem Kindergarten stehe. Natürlich wäre die Gemeinde auch bereit, Defizite mitzutragen. In den letzten 11 Jahren habe es aber im Durchschnitt kein Defizit gegeben, so Berek. Dies sei auch dem Engagement der ganzen Gemeinde und insbesondere dem Förderverein zu verdanken, der zum Beispiel die Kosten für Praktikanten übernehmen könne.

 

Einig war man sich darüber, dass die sogenannten flexiblen Arbeitsverträge ein Ende haben müssen. „Flexible Verträge bei denen die Erzieherinnen jeden Monat für eine andere Stundenzahl angestellt sind, sind weder den Mitarbeiterinnen zumutbar noch vom Gesetzgeber gefordert. Ganz im Gegenteil,“ stellt Martin Schöffel fest. Die Mitarbeiter brauchten Verträge mit Planungssicherheit. Durch eine bessere Stundenausstattung der Einrichtungen und stabile Buchungszeiten der Eltern müssten unausweichliche Buchungsänderungen aufgefangen werden.

 

Bei dem Gespräch zeigte sich auch, dass die Voraussetzungen in verschiedenen Gemeinden extrem unterschiedlich sind. Auch die Expandierungsfreude des Trägers hat einen großen Einfluss darauf wie gut die Rahmenbedingungen für die Kindertageseinrichtungen sind. Bei einem weiteren Gespräch mit Bürgermeistern und Trägern will Martin Schöffel nun dazu anregen, die Rahmenbedingungen anzugleichen und die Kinderbetreuung als kommunale Pflichtaufgabe in der Zukunft noch besser  zu unterstützen.